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Breitscheidplatz: Chefplaner in Nacht-und-Nebel-Aktion abgeschoben

Die Enthüllungen im Zusammenhang mit dem Spiegel-Bestseller Die Destabilisierung Deutschlands reißen nicht ab. Nun hat der Autor Stefan Schubert einen weiteren erschreckenden Komplex im Amri-Regierungsskandal offengelegt.

Bilal Ben Ammar ist der letzte nachweisliche persönliche Kontakt von Anis Amri unmittelbar vor dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz kurz vor Weihnachten 2016. Amri traf ihn am Vorabend des 19. Dezember in einem Hähnchenrestaurant in der Berliner No-go-Area Gesundbrunnen und telefonierte noch fünf Stunden vor dem Terroranschlag mit ihm. Der 26-Jährige Tunesier Ammar ist ein polizeibekanntes Mitglied der radikal-salafistischen Szene. Er gehörte einer dreiköpfigen IS-Zelle in Berlin an, die verdächtigt wurde, Sprengstoff für einen Terroranschlag in Düsseldorf besorgt zu haben. Die Bekanntschaft von Anis Amri mit dem IS-Terroristen ist seit spätestens Ende 2015 aktenkundig.

Vorbereitungen begannen schon neun Monate zuvor

Bei späteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass Bilal Ben Ammar direkt und entscheidend an den Anschlagsvorbereitungen beteiligt war. Bereits im Februar 2016, neun Monate vor dem Anschlag, hatte der IS-Terrorist Ammar den Tatort Breitscheidplatz ausgekundschaftet. Neun Monate vor dem Anschlag!

Offen stellte sich Ammar auf den Breitscheidplatz und fotografierte die gesamte Örtlichkeit. Nach seiner Festnahme wurden entsprechend all seine Handydaten ausgewertet. Auf seinem Mobilfon wurden umfangreiche Fotodateien vom Breitscheidplatz gefunden. Bilal Ammar fotografierte nicht etwa die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche oder andere Gebäude, sondern sein besonderes Interesse galt den Zufahrten zum Platz. Er nahm die Zufahrtsstraßen auf und fotografierte den Standort der Begrenzungspoller. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz ist Mitglied im parlamentarischen Untersuchungsausschuss und kennt die entsprechenden Fotos.

Die Seiten der dortigen vielbefahrenen Straßen sind durch eiserne Poller geschützt. In einem Bereich sind jedoch keine Poller vorhanden. Dieser Angriffspunkt ist strategisch sehr gut gewählt, weil Amri auf seiner eingeschlagenen Fahrt zum Anschlag so genügend Speed aufnehmen und ohne weitere Lenk- und Bremsmanöver in den Weihnachtmarkt rasen konnte. Ein perfider Plan, aber tödlich und absolut durchdacht. Die Hinweise erhärten sich, dass der Berliner IS-Terrorist Bilal Ben Ammar, der übrigens auf Steuerzahlerkosten in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft lebte, die entscheidende Planung vor Ort übernommen hatte. Und dass er es war, der Anis Amri im Namen des Islamischen Staates in Libyen mit exakt diesem Anschlag beauftragte.

Erinnert sei an die abgefangene Chat-Unterhaltung von Amri direkt mit IS-Kadern in Libyen und an die dortige Anweisung, dass Amri von einem IS-Kader in Deutschland weitere Befehle erhalten würde. Nach heutigen Informationen konnte es sich bei diesem hochrangigen IS-Hintermann nur um Bilal Ben Ammar gehandelt haben – er wäre damit der Mastermind des Terroranschlags vom Breitscheidplatz.

Amri war kein Einzeltäter

Dieser Bilal Ben Ammar ist gleichsam der unwiderlegbare Beweis, dass es sich bei dem Terroranschlag vom 19. Dezember 2016 um keinen »Einzelfall« handelt. Und dass Anis Amri kein Einzeltäter war, der als irgendwie inspiriert vom Islamischen Staat gehandelt hätte, wie Politik und Medien diesen furchtbaren Terroranschlag bis heute zu relativieren versuchen.

Anis Amri war Teil eines bundesweiten IS-Netzwerks, dessen Mitglieder inmitten der Masseneinwanderung unkontrolliert, jedoch gezielt und versteckt im Flüchtlingsstrom nach Deutschland gekommen sind, um hier IS-Zellen, Logistik und organisatorische Fähigkeiten aufzubauen, Kämpfer und Gelder zu rekrutieren, um dann in Deutschland Terroranschläge zu begehen. So wurden vollkommen zu Recht Mordermittlungen gegen Bilal Ben Ammar eingeleitet. Und weitere schwerwiegende Anschuldigungen gegen den Tunesier würden sicherlich zeitnah folgen, dessen waren sich beteiligte Terrorermittler jedenfalls im Januar 2017 absolut sicher.

Die Ermittlungen gegen Bilal Ben Ammar ergaben immer schwerwiegendere Anschuldigungen. Bereits 2015 hatte er öffentlich auf Facebook dem Kalifen des Islamischen Staates, Abu-Bakr al-Baghdadi, einen Treueeid geleistet. Und in seinem Mobiltelefon fanden sich Hinweise, dass Ammar ins IS-Kampfgebiet nach Syrien ausreisen wollte. Auffällig sind auch die umfangreichen Reiseaktivitäten des ja offiziell mittellosen Flüchtlings Bilal Ben Ammar. So gehen Ermittler von drei Reisen nach Paris aus. Erinnert sei hier an die Aussage Amris vor dem V-Mann Murat, dass er problemlos Kalaschnikows aus Paris besorgen könne. Demnach wäre Bilal Ben Ammar nicht nur Chefplaner, sondern auch Waffenbeschaffer und damit einer der zentralsten Figuren des IS in Deutschland.

Nach Tunesien abgeschoben

In Amerika wäre Bilal Ben Ammar sicherlich wenige Tagen nach dem Anschlag in Ketten nach Guantanamo überführt worden und müsste dort den Rest seines Lebens in einem Käfig verbringen. Doch am 1. Februar 2017 geschah in Berlin etwas Skandalöses. Trotz der laufenden, schwerwiegenden Ermittlungsverfahren gegen Ammar, seiner übergeordneten Stelle im bundesweiten IS-Netzwerk und trotz der umfangreichen Insiderkenntnisse zum Terroranschlag durch Anis Amri wurde Bilal Ben Ammar in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Tunesien abgeschoben.

Sämtliche Terrorermittler konnten die damalige Entscheidung nicht fassen. Selbst Politiker äußerten sich wütend. So zitiert der Focus Marcel Luthe, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, folgendermaßen: »Diese Nacht-und-Nebel-Aktion lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Ben Ammar sollte als Zeuge weder den Ermittlern noch dem Parlament zur Verfügung stehen.«

Dienstag, 28.08.2018

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Kopp Exklusiv.
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